FAZ 05.10.2026
14:20 Uhr

Finanzminister sucht Geld: Britischen Banken droht höhere Steuerbelastung


Auf der Suche nach Einnahmen blickt der britische Schatzkanzler auf die Banken der Londoner City. John Healey muss Milliardenlöcher stopfen.

Finanzminister sucht Geld: Britischen Banken droht höhere Steuerbelastung

Den britischen Banken könnte eine zusätzliche Steuer drohen, mit der Finanzminister John Healey Milliardenlöcher in seinem Haushalt füllen möchte. An diesem Dienstag will Healey mit den Vorstandschefs mehrerer Großbanken darüber Gespräche führen. Angesichts der Gerüchte über eine neue Sondersteuer haben Bankaktien schon deutliche Kursverluste verbucht. Die Aktienkurse der vier Großbanken Barclays, HSBC, Lloyds und NatWest sanken in der vergangenen Woche zeitweise um vier bis fünf Prozent. Allein der Börsenwert der größten Bank, HSBC, fiel an einem Tag um mehr als zehn Milliarden Pfund (12 Milliarden Euro). Zusammen büßten die vier Bankkonzerne rund 18 Milliarden Pfund an Marktwert ein. Allerdings haben sie seit zwei Jahren sehr starke Kursgewinne verbucht. Der HSBC-Börsenwert stieg seit Jahresanfang um mehr als 20 Prozent. Die Kreditinstitute profitieren besonders von den höheren Zinsmargen. Außerdem hat das Investment Banking in diesem Jahr Rekordumsätze mit Geschäften rund um Fusionen und Übernahmen erzielt. Lobbyverband: In Frankfurt zahlen Banken weniger Steuer Die Labour-Regierung wird seit Wochen von der Parteilinken, dem Gewerkschaftsbund TUC und Kampagnengruppen wie „Positive Money“ dazu gedrängt, die Gewinne der Banken stärker zu besteuern. Allein im ersten Halbjahr hätten die vier Großbanken Gewinne von 29 Milliarden Pfund gemacht, berechnete der Gewerkschaftsbund. „Es ist Zeit, dass die Banken ihren fairen Anteil bezahlen“, sagt TUC-Generalsekretär Paul Nowak. Die konservative Opposition warnt, dass mit höheren Steuern ein Stellenabbau in den Banken drohe. Die Bankbranche wehrt sich vehement. Ihr Lobbyverband UK Finance verweist darauf, dass Banken schon jetzt mehr Steuern als andere Branchen bezahlen müssen. Das liegt am Steuerzuschlag von drei Prozentpunkten auf die reguläre Körperschaftsteuer von 25 Prozent. Dazu kommt eine Abgabe von 0,1 Prozent auf die Bilanzsumme im Königreich. Nach Angaben von UK Finance, basierend auf einer PWC-Studie, betrugt die Gesamtsteuerbelastung einer typischen Bank in London im vergangenen Jahr 46,4 Prozent. In Amsterdam musste sie 42 Prozent, in Frankfurt rund 38 Prozent, in Dublin nur rund 29 Prozent und in New York knapp 28 Prozent zahlen. Mit dem dreiprozentigen Steueraufschlag nahm der britische Fiskus im vergangenen Steuerjahr rund 1,2 Milliarden Pfund ein. Bei dem Treffen mit Healey wollen die Banken auch über die Eigenkapitalvorgaben sprechen. Einige Banker in der City argumentieren, dass die Kreditinstitute auch mit einem geringeren Kapitalpuffer gegen potentielle Verluste noch sicher genug seien. Die Vorsitzende des Finanzausschusses im Parlament, Meg Hillier (Labour), berichtete von solchen Vorstößen. Die Eigenkapitalregeln werden von der Notenbank festgelegt. Die Bank of England hat im vergangenen Jahr schon mehrere Vorschriften für britische Kreditinstitute gelockert, darunter die Senkung der Vorgabe für die harte Eigenkapitalquote (Tier-1-Kapital) von 14 auf 13 Prozent der risikogewichteten Aktiva.