FAZ 30.09.2026
11:51 Uhr

Fall an Cornell-Uni: Sie sollen die Studentin mit „Free pussy“ bei Snapchat angeboten haben


Eine Studentin der amerikanischen Cornell-Universität wirft sieben Kommilitonen vor, sie im Herbst 2024 wehrlos gemacht und vergewaltigt zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt erst jetzt.

Fall an Cornell-Uni: Sie sollen die Studentin mit „Free pussy“ bei Snapchat angeboten haben

Fast zwei Jahre nach der mutmaßlichen Vergewaltigung einer Studentin der amerikanischen Cornell-Universität durch sieben Kommilitonen hat die Staatsanwaltschaft in Tompkins County (New York) Ermittlungen aufgenommen. Der Bezirksstaatsanwalt Matthew Van Houten begründete die eher späte Untersuchung mit der Aussage des mutmaßlichen Opfers drei Wochen nach den Übergriffen Ende Oktober 2024. Die Studentin habe damals bei der Polizei der renommierten Privatuniversität in Ithaca ausgesagt, freiwillig Alkohol und Drogen konsumiert zu haben. „Sie hat aber nie behauptet, zu Sex gezwungen worden zu sein oder bewusstlos oder körperlich hilflos gewesen zu sein“, sagte Van Houten dem Sender ABC am Montag. Der Anwalt der damals Zwanzigjährigen, Thomas Giuffra, widersprach dem Bezirksstaatsanwalt. Seine Mandantin habe damals „Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch“ angezeigt. Auch das Protokoll der Anhörung der Studentin durch die Universitätspolizei, das am Dienstag in Teilen in amerikanischen Medien veröffentlicht wurden, stützt die Darstellung des Anwaltes. „Ich kann mit einhundertprozentiger Sicherheit sagen, dass ich vergewaltigt wurde“, hatte das mutmaßliche Opfer im November 2024 bei der Universitätspolizei ausgesagt. Aufruf „Free pussy“ bei Snapchat Der Fall der sogenannten „Cornell Seven“ war durch die Zivilklage der Studentin vor zwei Wochen über den Campus hinaus bekannt geworden. Die anonyme Frau, die das Studium inzwischen ohne Abschluss beendet haben soll, wirft Mitgliedern der Studentenverbindung Chi Phi vor, sie im Herbst 2024 durch Ketamin und Alkohol wehrlos gemacht und sexuell missbraucht zu haben. Während der stundenlangen Übergriffe sollen verschiedene Studenten das mutmaßliche Opfer mit dem Aufruf „Free pussy“ per Snapchat auch anderen angeboten haben. Durch ihren Anwalt wirft die frühere Studentin der Leitung der Universität vor, das Verbrechen damals mit Rücksicht auf Cornells Ruf heruntergespielt zu haben. Die Universität, die vor mehr als 160 Jahren gegründet wurde, gehört zu den renommiertesten Bildungseinrichtungen der Vereinigten Staaten. In sozialen Medien wurden derweil Gerüchte laut, die mutmaßlichen Täter seien nach einer Anhörung lediglich mit dem Schreiben eines Essays bestraft worden. Die Universität beruft sich dagegen auf eine interne Untersuchung vor zwei Jahren. Mehrere Mitglieder der Studentenverbindung hätten die Universität verlassen müssen. Einige seien vorübergehend beurlaubt worden. Zudem soll die Gruppe Xi der Studentenverbindung Chi Phi auf dem Campus verboten worden sein. Feierverbot an der Universität? Der Bürgermeister von Ithaca, Robert Cantelmo, forderte nun ein vorübergehendes Feierverbot für die etwa 27.000 Studenten der Cornell-Universität. „Trotz der Schwere des Verbrechens haben es Universität und Universitätspolizei versäumt, sich mit dem Ithaca Police Department abzustimmen. Noch schwerer wiegt, dass die Universität die Täter nicht zu Verantwortung gezogen hat“, sagte der Bürgermeister. Die Zivilklage der inzwischen Zweiundzwanzigjährigen richtet sich neben den mutmaßlichen sieben Tätern auch gegen die Universität, die Studentenverbindung und eine Bar in der Nähe des Campus, die dem mutmaßlichen Opfer Alkohol ausschenkte, obwohl es den 21. Geburtstag, in New York das Mindestalter, noch nicht erreicht hatte. Die Gouverneurin von New York, Kathy Hochul, verlangte am Dienstag zudem eine externe Untersuchung Cornells. „Ich unterstütze die Entscheidung der Bezirksstaatsanwaltschaft, die Ermittlungen wieder aufzunehmen. Es haben sich aber auch ernsthafte Fragen zum Umgang der Universität mit Übergriffen ergeben“, teilte Hochul mit.