FAZ 01.10.2026
07:45 Uhr

FIFA-MAchtkampf: Auch die Schweiz entzieht Infantino die Unterstützung


Noch im Juni hatte der Schweizer Fußballverband entschieden, eine Kandidatur des gebürtigen Schweizers bei der FIFA-Präsidentschaftswahl zu unterstützen. Das hat sich nun geändert.

FIFA-MAchtkampf: Auch die Schweiz entzieht Infantino die Unterstützung

Der Schweizerische Fußballverband (SFV) zieht seine Unterstützung für den in der Schweiz geborenen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino zurück. Das beschloss der Zentralvorstand des SFV. Im Juni dieses Jahres hatte der Verband noch erklärt, die Kandidatur des Amtsinhabers zu unterstützen. „Der Schweizerische Fußballverband erwartet von der Führung der FIFA höchste Standards in Bezug auf Transparenz, Nachvollziehbarkeit und institutionelle Verantwortung“, erklärte SFV-Präsident Peter Knäbel. Er bezog sich auf ein Schreiben Infantinos an alle Nationalverbände, in dem dieser seinen Gegnern erstmals Gespräche angeboten hatte über mögliche Reformen in der FIFA. „Können eine weitere Unterstützung nicht verantworten“ Knäbel, einst auch mal Direktor Profi-Fußball beim Hamburger SV und Sportvorstand beim FC Schalke 04, sprach von einem wichtigen Signal der FIFA und Schritten, die zu Verbesserungen beitragen könnten. „Gleichzeitig bleiben zentrale Fragen zu den Hintergründen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungsprozessen offen. Da diese nicht überzeugend geklärt sind, können wir eine weitere Unterstützung der Kandidatur von Gianni Infantino nicht verantworten.“ Der Entscheid des Zentralvorstands folge einer umfassenden Neubewertung der Entwicklungen der vergangenen Monate, hieß es in der Mitteilung. Infantino war unter anderem wegen der WM-Investorenpläne im Sommer massiv unter Druck geraten, auch der Führungsstil des 56-Jährigen wird von Teilen der Fußball-Welt scharf kritisiert. Damit schließt sich der SFV einer Reihe europäischer Länder wie Frankreich, Italien und England an, die dem aus dem Kanton Wallis stammenden Schweizer bereits vor mehreren Wochen öffentlich die Unterstützung entzogen hatten. Gegenwind gibt es indes von allen Seiten, auch Europas Top-Ligen haben sich inzwischen in den Machtkampf beim Weltverband eingemischt und umfassende Erneuerungen gefordert. Lettland bleibt an Infantinos Seite Unterstützung erhielt der FIFA-Präsident dagegen aus Lettland. „Gianni Infantino leistet so viel, dass man es unmöglich in einer Minute aufzählen kann. Ich bin ihm aber sehr dankbar für die weltweite Unterstützung, seinen Beitrag zur Entwicklung des Fußballs, und natürlich steht Lettland immer an seiner Seite“, sagte Präsident Vadims Lyashenko am Rande der Eröffnung des neuen Verbandsbüros: „Er kann auf unsere Unterstützung zählen.“ „Für den SFV sind Glaubwürdigkeit, Transparenz, Rechenschaftspflicht sowie der wirksame Einbezug der statutarisch zuständigen Organe unverzichtbare Voraussetzungen für das Vertrauen in die Führung des internationalen Fußballs und die Integrität der FIFA“, hieß es in der Mitteilung der Schweizer weiter, diese Grundlage sehe der Zentralvorstand „heute nicht mehr als erfüllt an“. Jedoch bedeute der Entscheid „keine Abkehr von der konstruktiven Zusammenarbeit innerhalb der FIFA und der internationalen Fußballgemeinschaft“. Seit Wochen laufen teils hitzige Diskussionen über die Rolle des FIFA-Chefs beim inzwischen verworfenen Plan, Anteile an Turnieren des Weltverbandes an private Investoren auch aus dem Umfeld des US-Präsidenten Donald Trump zu verkaufen. Neben anderen fordert die Europäischen Fußball-Union (UEFA) Infantinos Rückzug und bereitet eine Strafanzeige gegen ihn vor. Der FIFA-Chef steht hinsichtlich seiner angestrebten Wiederwahl beim Kongress am 18. März des kommenden Jahres in Rabat/Marokko vor entscheidenden Wochen, zuletzt schlug der 56-Jährige mit einem Brief an die Präsidenten der Kontinentalverbände, an die er weitere Gelder ausschütten möchte, wieder versöhnlichere Töne an.