Urs Fischer fasste die Situation seufzend zusammen: „Der Fußball ist manchmal verrückt. Heute qualifizierst du dich fürs Viertelfinale, und am Sonntag spielst du ums Überleben. Wahnsinn.“ Damit benannte der Trainer des FSV Mainz 05 die beiden Pole, zwischen denen seine Mannschaft sich nach wie vor bewegt, wenngleich in einer deutlich verbesserten Lage als bei seinem Dienstantritt im Dezember. Mit dem 2:0 im Achtelfinalrückspiel gegen Sigma Olmütz verlängerten die Rheinhessen ihre Teilnahme an der Conference League um mindestens zwei Spiele, in denen sie im April auf Racing Straßburg treffen werden. An diesem Sonntag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei DAZN) kommt die Frankfurter Eintracht in die Arena am Europakreisel, dann geht es um Punkte, mit denen sich die 05er weiter von den Abstiegsplätzen entfernen wollen. Über diese Aufgabe mochte Fischer am Donnerstagabend noch nicht reden, doch alle Mainzer Gesprächspartner bestätigten, was Daniel Batz vorab versichert hatte: „Falls wir die nächste Runde erreichen, konzentrieren wir uns auf Frankfurt, und nicht auf das, was in der Conference League danach kommt. Als Spieler musst du dich aufs nächste Spiel fokussieren, sonst gelingt dir das nicht gut.“ Mainz betreibt Chancenwucher Gegen die Tschechen verbrachte der Keeper wie schon beim 0:0 im Hinspiel einen Abend, an dem sein Können nicht gefordert war. Einen wenig gefährlichen Kopfball musste er in der Schlussphase halten, darüber hinaus kam kein Schuss auf sein Tor. Seine im Feld spielenden Kollegen hingegen betrieben einigen Chancenwucher, hätten schon in den überaus dominant gestalteten ersten 20 Minuten die Weichen Richtung Sieg stellen müssen, brauchten aber bis unmittelbar nach dem Seitenwechsel für das 1:0. Stefan Posch köpfte den Ball nach einer Flanke von Paul Nebel in die lange Ecke. Mit seinem ersten Tor im Mainzer Trikot öffnete der im Januar verpflichtete Innenverteidiger die Tür zum Viertelfinale, und schon vor dem 2:0 in der Schlussphase boten sich den Rheinhessen reichlich Gelegenheiten, sie hinter sich zu schließen. Unter anderem brachte Phillip Tietz in zwei ähnlichen Kontersituationen den letzten Pass, der Nelson Weiper in zentraler Position erreichen sollte, nicht an den Mann, Nebel donnerte einen Freistoß an die Latte. In Überzahl schließlich bereitete Danny da Costa mit einem Antritt auf der rechten Seite das 2:0 durch Armindo Sieb vor; ein technisch anspruchsvoller Abschluss des in den vergangenen Monaten glücklosen Stürmers. Die oft thematisierte Doppelbelastung, die Gefahr, zwischen Bundesliga und internationalem Wettbewerb zerrieben zu werden, spielte an diesem Abend keine Rolle. Im Gegenteil: Sie scheint die Mainzer zu beflügeln. Der Sieg gegen Olmütz steigere das Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben, sagte Posch. „Wir haben Qualität in der Mannschaft. Trotz der vielen Ausfälle bringen wir wieder Woche für Woche gute Leistungen auf den Platz.“ Jetzt wolle das Team die Woche gegen Eintracht Frankfurt perfekt vollenden. Wird die Kraft reichen? Viel rotieren ließ Fischer gegenüber dem 2:0 an der Weser nicht. In der Anfangsformation ersetzte lediglich Nelson Weiper den in der Conference League nicht spielberechtigten Sheraldo Becker. „Aber ich habe mich gut gefühlt und die Mannschaft, glaube ich, auch“, sagte Posch. Ziel ist das Finale in Leipzig Eine Ausnahme bildete Danny da Costa gegen Ende. Vergebens hatte der Innenverteidiger signalisiert, er müsse ausgewechselt werden. „Ich musste auf die Toilette“, berichtete er später. „Ich habe es erst wahrgenommen, als Danny an mir vorbeigesprintet ist“, sagte Urs Fischer. „Ich wusste nicht, was los war, wie ich hörte, hatte er Krämpfe.“ Da Costa verhehlte im Übrigen nicht, dass er, bei aller Konzentration auf die jeweils nächste Partie, am 27. Mai in Leipzig auflaufen will, wenn dort das Conference-League-Finale ausgetragen wird. „Diesen Traum hatte ich schon nach unserer Qualifikation.“ Wenn schon europäisch verausgaben, dann bis zum Schluss. Niko Bungert teilt den Optimismus, den der international erfahrene Stefan Posch an den Tag legt. „Wir haben die Körner, um Conference League und Bundesliga hinzubekommen“, sagte der Sportdirektor. „Das geht jetzt Hand in Hand. Darauf haben wir total Bock.“
