Burritos sind flache, fest zusammengerollte Weizenmehlfladen, die mit Fleisch, Reis, Bohnen, Käse und Tomaten-Salsa gefüllt sind. Sie schmecken, wären aber nicht weiter der Rede wert, hätte nicht der Sprecher der prominenten konservativen Studentenorganisation Turning Point mit ihnen eine muntere Debatte ausgelöst. Es steckt eine Menge drin in dieser Teigtasche. „Ein Burrito sollte nicht 20 Dollar kosten“, klagte ein Student gegenüber dem „Turning Point“-Funktionär. Dieser platzierte das schlichte Postulat mit der zustimmenden Kommentierung: „Es fühlt sich einfach so an, als ob die einfachsten Dinge zu teuer wären“ auf der Plattform X. Rund 3,5 Millionen Ansichten von überwiegend konservativen Konsumenten, wie man vermuten darf, und einige heftige Reaktionen von Politikgrößen erntete der Beitrag. Er trifft einen Nerv in Amerika. In der Anmerkung, dass sich vieles teuer anfühlt, steckt die tiefere Wahrheit, dass Gefühle keine Fakten sind. Fakt ist nämlich, dass Burritos fast nie 20 Dollar kosten, sondern im Mittel 13,58 Dollar, wie der Gastronomie-Dienstleister Toasttab unter Zugriff auf echte Verkäufe ermittelt hat. Taco Bell hat einen Burrito für 4,99 Dollar im Angebot, in gehobenen Restaurants teurer Städte kann der Preis auf 18 Dollar klettern. Man muss sich anstrengen, mehr auszugeben. Gegen Stimmungen ist es schwer anzukämpfen Der Unmut speist sich aber vor allem aus dem Eindruck, dass alles so teuer geworden ist. Dieses Grundgefühl ist für den Big-Mac-Freund Donald Trump höchst problematisch, weil es fast unmöglich ist, gegen Stimmungen anzukämpfen. Keiner weiß das besser als der begnadete Wahlkämpfer selbst, der mit Volksseele-kompatiblen Falschaussagen regelmäßig die Empirie neutralisierte. Die probate Ausrede von Trump und seinen Freunden war bisher immer, dass Joe Biden, Trumps Vorgänger im Weißen Haus, Schuld an allem hat, und vor allem daran, dass alles teurer geworden ist. Diese verliert mit jedem Tag an Zugkraft, weil Bidens Amtszeit nun doch schon einige Zeit zurückliegt. Überdies: Die letzte Monatsinflationsrate unter Biden vom Dezember 2024 lag bei 2,6 Prozent, während Trump aktuell mit 3,7 Prozent regiert. Kaum ein Wort provoziert den Präsidenten mehr als „Erschwinglichkeit“. Das zeigt sich in jeder seiner jüngeren Reden, in denen er den Verdacht äußert, die Mainstream-Medien hätten das Wort aufgebracht, um ihn zu attackieren. Da könnte sogar sein. Er ist allerdings in den Wahlkampf gezogen mit dem Versprechen, die Preise nach unten zu bringen. Da hat nicht so gut geklappt. Tomaten kosten rund 30 Prozent mehr als vor einem Jahr Trumps Politik könnte ein Faktor sein. Tomaten für die den Burrito begleitende Salsa Roja kosten rund 30 Prozent mehr als vor einem Jahr. Seit Juli 2025 gelten 17 Prozent Zölle auf Tomaten aus Mexiko, woher rund 70 Prozent stammen. Steakfleisch, das geschnetzelt die Burritos füllt, kostet rund 11 Prozent mehr als vor einem Jahr, Rinderhack 12 Prozent. Trumps Massenausweisungen könnten Wirkung entfalten. Sein Versprechen, dass mit den Abschiebungen die Preise rapide sinken, weil die Ausländer dann nicht mehr in den USA kaufen, folgt der für ihn so bewährten Rhetorik der Verflachung. Gewöhnlich werben Politiker allerdings nicht damit, dass die Konsumnachfrage sinkt. Unterdessen gehen Gaststätten die Küchenhilfen aus, die Fleisch einlegen, Tomaten häckseln und Bohnen einweichen. Ersatz ist schwer zu finden, während 70.000 in Abschiebecamps Däumchen drehen und Hunderttausende das Land verließen. Eine Restaurant-Lobby im konservativen Texas fleht unterdessen um Ausnahmen für ihre Küchenhilfen, während im ganzen Land neuen Abschiebecamps entstehen. Um überhaupt jemand zu finden, müssen Restaurants höhere Löhne zahlen, die sie über höhere Preise an die Gäste weiterzugeben versuchen. Trumps Irankrieg verteuert die Energiekosten. Trumps Nominierung von Kevin Warsh für die Federal-Reserve-Führung mit dem implizierten Marschbefehl, die Geldpolitik zu lockern, weckt Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Regierung im Kampf gegen die Inflation. Diese spiegeln sich bereits in höheren Zinsen für lang laufende Staatsanleihen nieder. Trumps Unfähigkeit zu einer nachhaltigen Haushaltspolitik lässt unterdessen die Wirkung der Geldpolitik dämpfen: Steigende Leitzinsen treiben das Haushaltsdefizit des Bundes in die Höhe, weil der Staat für seine Schulden mehr Zinsen zahlen muss. Daraus entsteht ein Paradox: Die hohen Defizite pumpen zugleich viel Geld in die Wirtschaft und wirken wie ein Konjunkturprogramm. Vieles deutet darauf hin, dass der Burrito bald wirklich so teuer wird, wie er gefühlt jetzt schon ist. Trump lernt unterdessen die bittere Lektion, dass es viel leichter ist, eine Wirtschaft schlechtzureden, als sie schönzureden.
