FAZ 07.10.2026
07:00 Uhr

Entosolutions ändert Pläne: Keine Insektenfarm in Gießen


Das Unternehmen Entosolutions ändert seine Pläne für Gießen. Statt ein Gebäude für eine Insektenfarm zu errichten, soll diese Arbeit an Landwirte vergeben werden. Für die Weiterverarbeitung könnte auch ein Bestandsgebäude ausreichen.

Entosolutions ändert Pläne: Keine Insektenfarm in Gießen

Hinter dem Fraunhofer-Institut für Bioressourcen in Gießen wird keine große Insektenfarm errichtet. Das bayerische Unternehmen Entosolutions verfolgt die 2025 vorgestellte Planung eines rund 10.000 Quadratmeter großen Neubaus nicht weiter. Es habe sich herausgestellt, dass eine Anlage in dieser Größenordnung wirtschaftlich nicht sinnvoll sei, sagt Geschäftsführer Andreas Köck. Man habe das Produktionsprinzip weiterentwickelt. „Die Perspektiven für Gießen und die Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut bestehen jedoch weiter“, hebt er hervor. Geplant war ursprünglich ein zentraler Produktionsstandort, der sogenannten Ento-Hub. Dort sollte neben der Verarbeitung vor allem die Mast der Schwarzen Soldatenfliegen stattfinden. Hinzukommen sollte eine Mehlwurmzucht in angebundenen landwirtschaftlichen Betrieben. Als Output waren jährlich rund 10.000 Tonnen Schwarze-Soldatenfliegen-Biomasse sowie zusätzlich rund 8000 Tonnen Mehlwürmer aus den Partnerbetrieben vorgesehen. Die Kostenkalkulation für den Ento-Hub betrug etwa zwölf Millionen Euro; weitere Investitionen wären bei den landwirtschaftlichen Betrieben erforderlich gewesen. Landwirtschaftliche Betriebe sollen Fliegen und Mehlwürmer züchten In dem nun verfolgten Modell werde auch die Mast der Schwarzen Soldatenfliegen bei landwirtschaftlichen Partnern angesiedelt und dort mit der Mehlwurmmast kombiniert, erläutert Köck die Entwicklung. „Der Ento-Hub übernimmt zentrale Aufgaben, insbesondere bei der Verarbeitung und Logistik. Durch diese Aufgabenverteilung sinkt sein Flächenbedarf. Zudem prüfen wir bevorzugt die Nutzung geeigneter Bestandsgebäude, bevor wir neu bauen. Die erforderlichen Investitionen liegen im aktuellen Modell deutlich niedriger.“ Für Gießen bleibe das Ziel, gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut den Schritt vom Labormaßstab zur industriell skalierbaren Insektenproduktion und -verarbeitung zu vollziehen. „Dazu konkretisieren wir Vorhaben, die wissenschaftliche Erkenntnisse in einen wirtschaftlich tragfähigen Betrieb überführen sollen“, sagt Köck. Dies umfasse auch die Weiterentwicklung der ursprünglich mit dem Technikum verbundenen Ziele. Die konkrete Ausgestaltung unter den geänderten Rahmenbedingungen befinde sich in der Abstimmung. Die Insektenbiomasse liefert Protein und Fett für Nutztierfuttermittel, Petfood und Aquakultur. Darüber hinaus eröffnet das wachsende Interesse an proteinreichen Lebensmitteln Perspektiven für den Einsatz in der menschlichen Ernährung. Weitere mögliche Anwendungen liegen in Kosmetika, Pharmazeutik und Hochleistungsölen, beispielsweise für die Autoindustrie. Die in der Mast anfallenden Ausscheidungen der Insekten, der Fraß, kann als Dünger genutzt oder durch Pyrolyse zu Pflanzenkohle verarbeitet werden. Für die Pflanzenkohle stehen der Einsatz als Dünger in der Landwirtschaft und die langfristige Bindung von Kohlenstoff im Vordergrund. Damit kann sie einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Ein weiterer Ansatz ist die Verwendung in der Produktion klimafreundlicher Baustoffe, beispielsweise Beton.