FAZ 28.09.2026
13:30 Uhr

Elisabethenschule: Eine Schule mit Herz und Geschichte


Die „Eli“ feiert Geburtstag: Vor 150 Jahren wurde die Elisabethenschule gegründet. Aus der Schule für „höhere Töchter“ wurde eines der beliebtesten Gymnasien der Stadt.

Elisabethenschule: Eine Schule mit Herz und Geschichte

Wer einen Spitznamen trägt, der gehört fest dazu. Denn solche Namen gibt man nur Personen oder Dingen, die man lieb gewonnen hat. Bei der Elisabethenschule ist das offenkundig so. Für Generationen von Schülern ist sie nur „die Eli“. Sie ist ein fester Bestandteil ihres Lebens und untrennbar mit ihrer Heimatstadt verbunden. Auch auf der Jubiläumsfeier am Samstag fällt der Spitzname „Eli“ immer wieder. Die Elisabethenschule im Nordend gehört heute, 150 Jahre nach ihrer Gründung, zu den besonders beliebten Gymnasien der Stadt. Wer beim Wechsel auf die weiterführende Schule an der „Eli“ einen Platz ergattert, kann sich glücklich schätzen. Dass sich das Gymnasium vor Anmeldungen kaum retten kann, hängt auch mit seinem breiten Profil zusammen. Anders als andere etablierte Gymnasien hat sich „die Eli“ nämlich nicht auf einen Markenkern spezialisiert wie beispielsweise Naturwissenschaften oder alte Sprachen. Die Elisabethenschule hat sich bewusst breit aufgestellt. „Interessen entwickeln sich“ Sie hat einen zertifizierten Musikschwerpunkt, ist aber auch MINT-Schule. Die Schüler können Spanisch als erste Fremdsprache wählen und sich mit regelmäßigen Praktika auf die Berufs- und Studienwahl vorbereiten. Diese Vielseitigkeit hat Methode: „Interessen entwickeln sich. Wir haben ein breites Profil, damit alle Kinder ihren Kompetenzen entsprechend gefördert werden können“, sagt Schulleiter Stefan Neureiter. Die Lehrerin Elena Hamm hat die Geschichte der Schule erforscht. Auch mit 75 Jahren unterrichtet sie weiterhin Geschichte an der Elisabethenschule und bezeichnet sich selbst als „Elianerin“. Offenbar fühlen sich auch Lehrer an dieser Schule wohl. Neureiter dankt seinem „mitreißenden Kollegium“ auf der Jubiläumsfeier überschwänglich: „Sie geben der Schule jeden Tag eine Stimme, ein Gesicht und ein Herz.“ Der Name der Schule erinnert an eine berühmte Frankfurterin. Die Elisabethenschule wurde nach Catharina Elisabeth Goethe benannt, der Mutter des Dichters. Historisch betrachtet, ist die Elisabethenschule aus der Musterschule hervorgegangen. Gegründet wurde sie 1803 als deren Mädchenabteilung. 1876 wurde die Höhere Töchterschule dann selbständig. Herzens- und Gemütsbildung für höhere Töchter Die ersten Schülerinnen werden noch an der heutigen Börsenstraße ausgebildet. Herzens- und Gemütsbildung habe damals für die Mädchen im Vordergrund gestanden, sagt Elena Hamm. Den Schülerinnen war die Rolle zugedacht, als Hausfrau und Mutter die gebildete und verständnisvolle Begleiterin des Mannes zu sein. Mit einer Ausnahme: dem Berufsziel Lehrerin. 1908 wird das klassizistische Gebäude an der Vogtstraße fertiggestellt, in dem die Schule noch immer untergebracht ist. Zunächst wird es als Lehrerinnenseminar genutzt, mit einer angeschlossenen Volksschule als Übungsschule. 1923 wird das Seminar aufgelöst, und die Klassen der Elisabethenschule ziehen ein. In der NS-Zeit wird der Bau von der Wehrmacht beschlagnahmt, die Mädchen werden wieder der Musterschule zugewiesen. Nach dem Krieg beschlagnahmen die Amerikaner das Gebäude, das im damaligen Sperrbezirk liegt. Für die Elisabethenschülerinnen geht es zunächst in die stark zerstörte Herderschule. Erst 1956 können sie zurück in ihr Gebäude. Erst seit 53 Jahren lernen Jungen und Mädchen gemeinsam 1973 zieht auch in der Elisabethenschule endlich die Koedukation ein. Jungen und Mädchen werden fortan gemeinsam unterrichtet. 1985 wird die Schule um eine Außenstelle an der Holzhausenstraße erweitert. 2008 kommt die neue Mensa hinzu. Das Jahr 2013 wird zu einer Art Bewährungsprobe für die Elisabethenschule. Hundert Jahre sind nicht spurlos an dem Gebäude vorübergegangen. Es gibt große statische Probleme. Klassenzimmer müssen mit Metallstützen gesichert werden, im Musikunterricht darf nicht mehr geklatscht und getanzt werden. Weil zunächst trotzdem kein Geld für die Sanierung zur Verfügung steht, gehen Schüler, Eltern und Lehrer gemeinsam auf die Straße. Mit Erfolg: Die Stadt gibt dem öffentlichen Druck nach und beschleunigt die Sanierung. Im April 2019 können die neuen Räume bezogen werden. Wer heute die Elisabethenschule betritt, steht in einem sanierten Altbau mit vergrößerten Klassenräumen und erneuerten Geschossdecken. Akustikpaneele an Wänden und Decken schlucken den Schall. Das Licht lässt sich zentral steuern. Doch die nächste Bauphase steht schon bevor: Durch einen Gebäudetausch mit der gegenüberliegenden Fürstenbergerschule, die in die Außenstelle zieht, soll die Elisabethenschule an einem Standort zusammengefasst werden. Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) verspricht: „Es wird nicht mehr lange dauern.“ Auf der Jubiläumsfeier dankt sie der „lieben Eli“ für hervorragende pädagogische Arbeit. Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) lobt den „demokratischen Geist“ der Schule und hält ihr Motto für gut gewählt: „Verwurzelt in Frankfurt, offen für die Welt“. Susanne Strauß-Chiacchio, stellvertretende Leiterin des Staatlichen Schulamts, lobt die Elisabethenschule als eine Schule, an der sich die Lehrer weit über das normale Maß engagieren und Schüler ihre Ideen einbringen können. Das sieht man zum Beispiel an ihrem Einsatz für den Klimaschutz. An der „Eli“ gibt es eine Kleiderbörse, die die Schüler selbst betreiben. Eben eine „moderne, traditionsreiche Schule“, wie ihr Leiter Neureiter sagt.