Wer an Teneriffa denkt, landet nicht unweigerlich beim Eishockey. Einen Klub oder eine Eishalle sucht man auf der Kanareninsel vergebens. Und dennoch schaut die ganze Branche nach Teneriffa, wo der Halbjahreskongress des Eishockey-Weltverbandes (IIHF) steigt – und wo an diesem Freitag der neue IIHF-Präsident gewählt wird. Als Favorit gilt neben dem Tschechen Petr Briza vor allem der Deutsche Franz Reindl. Für den Einundsiebzigjährigen wäre das die Krönung einer langen Laufbahn. Allein als Aktiver erlebte der Bayer 181 Länderspiele, gewann 1976 Olympiabronze. Danach war er Trainer, Manager, Liga-Geschäftsführer, WM-Organisator, Verbandspräsident, seit 2016 sitzt er im IIHF-Council, dem mächtigen Führungsgremium. Reindl wähnte einen „unerlaubten Check von hinten“ Bereits 2021 bewarb sich Reindl um den IIHF-Thron. Aber dann habe es einen „unerlaubten Check von hinten“ gegeben, wie er später im typischen Eishockey-Sprech sagte. Denn just zur Wahl wurden in der Heimat Vorwürfe der Untreue öffentlich. Reindls Doppelrolle als ehrenamtlicher Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) und bezahlter Geschäftsführer einer DEB-Tochter warf Fragen auf. Die Folge: Strafanzeigen, Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, Durchsuchungen in den Büros des Verbands, beim Vermarkter Infront und daheim bei Reindl in Garmisch-Partenkirchen. Er selbst beteuerte stets seine Unschuld, 2025 wurden die Ermittlungen eingestellt, seitdem sieht sich Reindl „rehabilitiert“, aber den Chefposten im Weltverband kostete ihn das dennoch, sagen Kenner der Branche. Gewählt wurde der Frankokanadier Luc Tardif, der sich dann mit der Pandemie, der Suspendierung Russlands wegen des Angriffs auf die Ukraine oder der Rückkehr der NHL-Stars zu Olympia herumschlagen musste. „Man kann nicht behaupten, dass ich es leicht hatte“, sagte Tardif kürzlich über seine Amtszeit. Das dürfte seinem Nachfolger ähnlich ergehen, denn die Themen sind nicht weniger geworden: Die NHL (National Hockey League) droht mit ihrem eigenen Länderturnier (World Cup of Hockey) die jährliche WM und damit die Haupteinnahmequelle der IIHF zu gefährden. Nur noch bis 2033 ist die gesichert, also muss jetzt ein Plan für die Zeit danach erarbeitet werden. Der Weltverband hätte auch gern mehr Geld vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC), wenn er zu den Winterspielen nun jedes Mal die NHL-Stars ankarrt. Zudem will er auch mit seiner neuen 3×3-Variante zu Olympia. Hinzu kommen IIHF-interne Streitigkeiten um einen Ausrüstervertrag. Und über allem schwebt das Thema Russland. Die Russen streben einen Stellvertreter-Platz im Council an Selbst haben die Russen keinen Kandidaten im Rennen, es gibt da aber Aivaz Omorkanov aus Kirgistan. Dass der gewählt wird, gilt zwar als unwahrscheinlich, so viele Stimmen kontrollieren die Russen nicht mehr, sagen Insider. Aber für das IIHF-Council, den Rat, in dem die großen Entscheidungen getroffen werden, könnte es reichen. Der sei ohnehin wichtiger für die Russen. Also bewirbt sich dafür auch Dmitry Kurbatov, der Generaldirektor des russischen Verbandes, der schon im Mai bei der WM in Zürich auflief. Hinzu kommen weitere Kandidaten aus Belarus, Georgien, Kasachstan oder den Emiraten. Im alten Rat hatten die Russen keine Mehrheiten, weswegen sie auch bei der WM 2027 in Deutschland außen vor sind. Aber je nach der Zusammensetzung des neuen Councils könnte sich das in der nächsten Saison ändern. Zumal auch die NHL Druck macht, weil die im Februar 2028 zum World Cup lädt und alle Stars dabeihaben will. Wird Reindl gewählt, fällt Russlands Rückkehr wohl in seine Amtszeit. Obwohl Vorgänger Tardif stets sagte, dass erst der Krieg enden müsste – trotz der Millionen, die der IIHF bei Weltmeisterschaften ohne Sbornaja verloren gehen. Reindl sagt, dass er sich an Vorgaben des Councils halte. Grundsätzlich wolle er als Versöhner auftreten, sein Motto: „Nicht für eine Fraktion. Nicht für eine Region. Nicht für einen Kontinent. Ich kandidiere als Präsident für alle.“ So hatte er es schon von 2014 bis 2022 als DEB-Präsident getan, als er Verband, Liga und Amateure wiedervereinte. Manche warfen ihm allerdings vor, autokratisch zu regieren, sie waren dann irgendwann weg. Man findet bis heute Leute im deutschen Eishockey, die nicht gut auf Reindl zu sprechen sind – aber die übergroße Mehrheit ist es. Also hofft sie, dass er diesmal die Wahl gewinnt. Auch wenn seine Aufgaben dann kaum größer sein könnten.
