FAZ 17.08.2026
13:51 Uhr

Der Blick geht nach L. A.: Medaillen um den Hals, das große Ziel vor Augen


14 EM-Medaillen gewinnen die deutschen Schwimmer, Weltklasseleistungen kommen vor allem aus Magdeburg. Zwei Jahre vor den Olympischen Spielen können sie sich in Frankreich noch etwas abschauen.

Der Blick geht nach L. A.: Medaillen um den Hals, das große Ziel vor Augen

Lukas Märtens aus Magdeburg ist Olympiasieger im Schwimmen. Seit er vor zwei Jahren bei den Olympischen Spielen von Paris das Rennen über 400 Meter Freistil gewann, ist er eine große Nummer im deutschen Schwimmsport. Unter den Männern die größte seit Michael Groß, schließlich war dieses Rennen das erste seit Groß’ Olympiasieg 1988 über 200 Meter Schmetterling, bei dem ein deutscher Schwimmer im Ziel als Erster am Beckenrand anschlug. An diesem Sonntag nun, zwei Jahre später und nicht im Rugbystadion La Défense in Nanterre, sondern in der Schwimmhalle von St. Denis, war Märtens Zuschauer und vor allem Zuhörer der größten Nummer der Gegenwart im Schwimmen: Léon Marchand, seit den olympischen Tagen von Paris Goldjunge numéro un für Bleu-Blanc-Rouge, hatte auf einige Starts verzichten müssen bei der Europameisterschaft, weil eine Verletzung noch nicht auskuriert war. Zum Abschluss aber hatte er alle abgehängt über 400 Meter Freistil, auch Märtens, der sich mit einem fulminanten Schlussspurt auf der Schlussbahn vom fünften auf den dritten Platz katapultiert hatte. Premiumplatz für den Magdeburger bei der Siegerehrung also. Die Hallenregie spielte „La Marseillaise“ an, dann übernahmen die citoyens, formten kein Bataillon, aber einen Chor, die Nummer ging a cappella zu Ende, marchons, marchons. Marchand grinste. 14 Medaillen im Becken für den DSV Und Märtens, der in diesem Rennen nach zwei Medaillen in Staffelrennen (Silber mit der gemischten 4×200-Meter-Freistil-Staffel, Bronze mit den Männern auf der gleichen Distanz) nun auch noch eine Medaille im Solo gewonnen hatte, hielt anschließend fest, dass sich von Stimmung dieser Art schon etwas abschauen ließe. Bei Deutschen Meisterschaften jedenfalls höre er seine Familie am lautesten. Die Olympischen Spielen von Paris liegen nun in etwa so weit in der Vergangenheit wie jene von Los Angeles 2028 in der Zukunft, die Wettbewerbe dort werden im Sofi-Stadion von Inglewood ausgetragen werden, dem teuersten der Welt. Von der Europameisterschaft reisen die deutschen Schwimmerinnen und Schwimmer mit 14 Medaillen ab. Acht davon verteilen sich allerdings auf einen Schwimmer und zwei Schwimmerinnen: Europameister wurde allein der 19 Jahre alte Johannes Liebmann, über 800 und 1500 Meter. Isabel Gose wurde dreimal Zweite, Maya Werner dreimal Dritte hinter der Italienerin Simona Quadarella (über 400, 800 und 1500 Meter Freistil). Märtens, der über 200 Meter Freistil gewinnen wollte und schwer geschlagen worden war (Platz sieben), sprach von einer Meisterschaft „zum Lernen“ und sprach aus, was ab sofort die Gedankengänge und Trainingspläne diktiert: „Wir haben alle in zwei Jahren ein ganz großes Ziel vor uns.“ An diesem olympischen Maßstab gemessen, lässt sich für den Deutschen Schwimm-Verband festhalten: Für den Erfolg in Los Angeles wird vor allem der Bundestrainer zuständig sein. Weltklasse kommt aus Bernd Berkhahns Trainingsgruppe in Magdeburg. Dafür steht nun, nach seinem Weltrekord über 1500 Meter, auch Liebmann. Lukas Märtens konnte der Marseillaise gelassen lauschen. Bei seinem Weltrekord über 400 Meter Freistil vergangenes Jahr in Stockholm war er mehr als drei Sekunden schneller als der Europameister Léon Marchand am Sonntag in St. Denis.