FAZ 27.07.2026
21:37 Uhr

Business-Ticker: Renault muss sich in Frankreich wegen Betrugs vor Gericht verantworten


Dieselskandal in Frankreich +++ Sam Altman: „Wir sind jetzt in der Singularität“ +++ Ifo-Geschäftsklima steigt stärker als erwartet +++ Neuigkeiten im Unternehmen-Liveblog.

Business-Ticker: Renault muss sich in Frankreich wegen Betrugs vor Gericht verantworten

Urlauber ändern Buchungsverhalten wegen Bränden nichtDie verheerenden Waldbrände in Frankreich und Spanien ​führen der deutschen Reisebranche zufolge bisher nicht zu Umbuchungen in großem ⁠Stil. „Wir sehen aktuell keine Änderung des Buchungsverhaltens“, sagte eine Sprecherin des Deutschen Reiseverbandes (DRV) am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Die in diesem Sommer beliebtesten Flug-Pauschalreiseziele ‌seien die Türkei, Spanien und Griechenland. „Darüber hinaus erfreuen sich auch in diesem Jahr wieder Kreuzfahrten einer besonderen Beliebtheit“, sagte die Sprecherin. 

Audi kappt Prognose – Finanzchef pocht auf EinsparungenDer Ingolstädter Autobauer Audi kappt nach dem schwächsten ersten Halbjahr seit 2021 ​seine Prognose. Für das Gesamtjahr sagte die Volkswagen-Tochter am Montag nur noch Erlöse von 58 ⁠bis 63 Milliarden Euro voraus, das sind fünf Milliarden Euro weniger als noch im April prognostiziert. Auch die Rendite dürfte mit fünf bis sieben Prozent um einen Prozentpunkt niedriger ausfallen als bislang angenommen. ‌Derzeit ist Audi von dieser Rendite aber noch weit entfernt: Im ersten Halbjahr lag sie lediglich bei 3,8 Prozent.Finanzchef Jürgen Rittersberger sagte, die bereits eingeleiteten Sparmaßnahmen zeigten zwar Wirkung, reichten ‌aber nicht aus. „Wir müssen in dem ‌Umfeld, in dem wir uns bewegen, wettbewerbsfähiger und effizienter werden, an den Kostenstrukturen arbeiten und Entscheidungsprozesse schneller hinbekommen“, sagte er. Dabei werde es kein Gegeneinander der beiden Standorte Neckarsulm und Ingolstadt geben. „Wir haben Möglichkeiten, an beiden ​Standorten die Effizienz zu steigern“, sagte Rittersberger. „Wenn alle ⁠mithelfen, können wir eine Zukunft für Neckarsulm organisieren.“VW-Konzernchef Oliver Blume hatte zuletzt in einem intern veröffentlichten Interview gesagt, dass in ​Europa Überkapazitäten von 500.000 Fahrzeugen abgebaut werden müssten. Bislang könne in den 2030er Jahren keine Werksbelegung für die Werke Emden, Hannover, ⁠Zwickau und ‌Neckarsulm bestätigt werden. Derzeit können in Neckarsulm jährlich 225.000 Fahrzeuge gebaut werden, das sind rund 75.000 weniger als noch vor wenigen Jahren. An dem Standort laufen derzeit ausschließlich Verbrennerfahrzeuge vom Band. Laut Rittersberger ist bereits beschlossen, ⁠die Nachtschicht in ⁠dem Werk zu streichen. „Wir sind kontinuierlich dabei, die Kapazitäten auf die Marktlage anzupassen.“Audi leidet unter der Marktflaute ⁠in China ​und unter ⁠den Zöllen von US-Präsident Donald Trump. Mit 29,2 ​Milliarden Euro erwirtschaftete der Autobauer mit den vier Ringen als ‌Logo im ersten Halbjahr so wenig Umsatz wie in der Corona-Krise 2021 nicht mehr, der Gewinn lag ​mit 1,1 Milliarden Euro unter dem Strich um ​220 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert. 

Open AI-Chef Altman: Wir befinden uns in der SingularitätSam Altman, der Vorstandsvorsitzende des amerikanischen KI-Unternehmens Open AI, glaubt, dass die Menschheit nun einen Punkt erreicht hat, der bislang vor allem Thema in Science-Fiction-Romanen gewesen ist. „Wir sind jetzt in der Singularität, das ist der Moment“, sagte er im Relentless-Podcast mit dem Investor Tilo Morse. Vor zehn Jahren noch sei dies ein „weit entfernter Traum\" gewesen, „bestenfalls“. Doch die Technologie habe sich schneller weiterentwickelt und nun dieses Niveau erreicht.Unter Singularität diskutieren Informatiker einen Moment, ab dem sich technischer Fortschritt quasi aus sich selbst heraus extrem beschleunigt, Technologie für den Menschen zumindest vorübergehend weniger befreifbar wird und darum einen enormen Veränderungsdruck auslöst – technisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich, politisch. Innerhalb der KI ist damit mitunter auch die Situation gemeint, in der Computer so etwas wie eine allgemeine Superintelligenz erreicht haben, das menschliche Gehirn also in seiner Breite zu überflügeln beginnen. Die Ansichten, ob die derzeit existierenden großen KI-Basismodelle der richtige Weg dorthin sind, gehen freilich auseinander. Mitarbeiter vor allem in den führenden Unternehmen, gehen häufig davon aus, Wissenschaftler an Universitäten sind meist etwas zurückhaltender.

Erwartungen der Unternehmen verbessern sichDie Stimmung der deutschen Wirtschaft hat sich im Juli aufgehellt. Der vom Ifo-Institut im München ermittelte Geschäftsklimaindex stieg auf über 86 Punkte und damit etwas stärker als erwartet. Grund dafür sind bessere Erwartungen für die künftige Entwicklung der Geschäfte. Ihre aktuelle Lage schätzen die Unternehmen dagegen schlechter ein. Grund dafür ist der Krieg zwischen den USA und Iran. Dieser hat zu steigenden Ölpreisen und Einschränkungen für den Schiffsverkehr geführt. Langfristig kämpft die deutsche Wirtschaft mit strukturellen Krisen und sinkenden Investitionen. Beispiel dafür ist die Autobranche als einstiger Exportgarant. Sie streicht nun Stellen und diskutiert über die Schließung von Fabriken. Der Volkswirt Marc Schattenberg von der Deutschen Bank sieht die Ifo-Daten als positives Signal für den Start der deutschen Wirtschaft in das dritte Quartal und erwartet für das Gesamtjahr ein Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent. „Das Ifo-Geschäftsklima überrascht im Juli positiv und steigt auf den höchsten Stand seit Februar“, sagt Schattenberg. Vor allem die jüngsten Reformbeschlüsse der Bundesregierung dürften den Optimismus vieler Unternehmen gestärkt haben. Ein Wermutstropfen sei die leichte Eintrübung in der Lagebeurteilung. Die jüngste Eskalation im Persischen Golf und der damit verbundene abermalige Anstieg der Öl- und Gaspreise dürften hier laut Schattenberg belastet haben und auch für die nächsten Monate ein Risiko bleiben.

Nvidia bereitet wohl eine 250-Milliarden-Bürgschaft für OpenAI vorDer amerikanische Chipkonzern Nvidia verhandelt offenbar über eine Finanzierungsgarantie von rund 250 Milliarden Dollar ⁠für den ChatGPT-Entwickler OpenAI. Die Garantie solle OpenAI das Leasing eines riesigen Rechenzentrums ermöglichen, berichten das „Wall Street Journal\" und der Finanzdienst Bloomberg und berufen sich auf Insider. Das von der Softbank-Tochtergesellschaft entwickelte Zehn-Gigawatt-Projekt soll im Süden des US-Bundesstaates Ohio entstehen.Für OpenAI wäre ein solcher ‌Deal der ‌erste Schritt zur Kontrolle der eigenen Infrastruktur, anstatt diese von Microsoft, Amazon und Oracle zu mieten. Nvidia wiederum würde sich damit auf Jahre ​hinaus die Nachfrage nach seinen Chips ⁠sichern. Die Gesamtkosten des Projekts werden dem Bericht zufolge auf mehr als 500 ​Milliarden Dollar geschätzt.

US-Abgeordnete verlangen „Kill Switch\" für KI-ModellePolitiker beider Parteien in Washington verlangen nach der außer Kontrolle geratenen Künstlichen Intelligenz von Open AI, dass die Regierung mächtige KI-Systeme abschalten kann, wenn sie gefährlich werden. Der demokratische Kongressabgeordnete Ted Lieu und der republikanische Kongressabgeordnete Nathaniel Moran haben einen Gesetzentwurf mit dem Titel „AI Kill Switch Act“ eingebracht.Zuvor hatte der KI-Anbieter Open AI eingestanden, dass seine Technologie auf „beispiellose“ Weise außer Kontrolle geraten sei und infolgedessen die Technologie-Plattform Hugging Face angegriffen habe. Der Kongressabgeordnete Lieu sagte einem Bericht der BBC zufolge, es sei „unabdingbar“, dass KI-Systeme über einen „Kill-Switch\" verfügten „und dass die Bundesregierung die klare Befugnis und ein klares Verfahren habe, um außer Kontrolle geratene KI-Modelle abzuschalten“.

Steffen Bilger wird neuer Verkehrsminister Der baden-württembergische Abgeordnete Steffen Bilger soll Nachfolger des bisherigen Bundesverkehrsministers Patrick Schnieder werden. Das teilte Regierungssprecher Stefan Kornelius laut Nachrichtenagentur dpa am Sonntagabend mit. Schnieder hatte Bundeskanzler Friedrich Merz um Entlassung gebeten. Der Wechsel an der Spitze des Verkehrsressorts ist Teil einer Umbildung der Bundesregierung, die durch den Rücktritt von Jens Spahn ins Rollen gekommen war. Zunächst war nicht klar, wer neuer Verkehrsminister werden soll. Auf den Nachfolger von Schnieder warten mit der maroden Infrastruktur und der verspätungsgeplagten Bahn schwere und dringende Aufgaben. 

Regierung knüpft US-Übernahme von Hanauer Magnethersteller wohl an BedingungenDie Bundesregierung wird einem Medienbericht zufolge die geplante Übernahme des Magnetherstellers Vacuumschmelze (VAC) durch ​das US-Bergbauunternehmen Energy Fuels an Auflagen knüpfen. Die Bedingungen seien Teil einer laufenden Investitionsprüfung des 1,9 Milliarden Dollar ⁠schweren Zukaufs, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen. Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums teilte am Samstag mit: „Mir liegen derzeit keine Erkenntnisse dazu vor.\"Es sei unwahrscheinlich, dass die Bundesregierung die Übernahme untersage, sagten ‌die Insider laut Bloomberg. Sie dürfte jedoch Zugeständnisse fordern, um sicherzustellen, dass das Werk des Unternehmens im Raum Frankfurt für das Geschäft von zentraler Bedeutung bleibe. Das Unternehmen aus dem hessischen Hanau ist einer ‌der wenigen Produzenten von Magneten ‌aus Seltenen Erden außerhalb Chinas. Die USA und ihre Verbündeten versuchen derzeit verstärkt, ihre Abhängigkeit vom Marktführer China bei kritischen Mineralien zu verringern.

US-Firmen klagen gegen Trumps neue ZölleZwei amerikanische Kleinunternehmen haben gegen die jüngsten Zölle von ​Präsident Donald Trump auf Waren aus 60 Partnerländern geklagt. Die neue Politik ⁠gehe wie die meisten früheren Zölle Trumps über die Befugnisse des Präsidenten zur Besteuerung von Importen hinaus, hieß es in der am Freitag beim US-Handelsgericht in ‌New York eingereichten Klageschrift, wie der Finanzdienst Reuters berichtet.Für eine rechtliche Rechtfertigung seien detailliertere, länderspezifische Feststellungen zum Thema „Zwangsarbeit\" erforderlich. Die Kläger werden von einer gemeinnützigen Rechtsgruppe unterstützt, die schon erfolgreich gegen frühere Zollrunden geklagt ‌hatte.

Nvidia und Südkoreas SK Group starten KI-Initiative über 500 Milliarden DollarDer amerikanische KI-Konzern Nvidia und ​die südkoreanische SK Group haben eine mehr als 500 Milliarden Dollar schwere KI-Initiative für große KI-Rechenzentren und Speicher der nächsten ‌Generation vorgestellt. Die Initiative umfasse eine langfristige Partnerschaft mit SK Hynix, um die Versorgung mit Speicherchips ‌der ‌nächsten Generation für Nvidia zu sichern und gemeinsam Hochleistungsspeicher für KI-Anwendungen zu entwickeln, teilte Nvidia mit.Im Rahmen ⁠der Initiative plane SK Telecom zudem den Bau eines zwei Gigawatt ​starken KI-Rechenzentrums, das mit Nvidias Vera-Rubin-Chips und dem ⁠HBM4-Hochleistungsspeicher von SK ‌Hynix betrieben werde. Die erste Anlage solle im Jahr 2027 in Betrieb gehen. Unabhängig davon wollen ⁠Nvidia, Naver ⁠und Brookfield das KI-Rechenzentrum von Naver in Südkorea ⁠erweitern.

Paramount stoppt Warner-Übernahme nach WettbewerbsklagenDer Hollywood-Konzern Paramount setzt den geplanten Kauf des Konkurrenten Warner Brothers nach Wettbewerbsklagen von zwölf US-Bundesstaaten und der Drehbuchautoren-Gewerkschaft vorerst aus. Die mehr als 100 Milliarden Dollar schwere Übernahme soll erst nach einer Entscheidung zu den Klagen oder spätestens am 1. Juni 2027 weiter vorangetrieben werden, wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht. Der Rechtsstreit hat auch deshalb Relevanz, weil Kritiker der Regierung von US-Präsident Donald Trump befürchten, dass der zu Warner Brothers gehörende Nachrichtensender CNN unter dem Dach von Paramount die redaktionelle Unabhängigkeit verlieren könnte.Eine Richterin hatte den geplanten Deal zunächst bis Mitte August ausgesetzt, um über die Forderung der demokratisch regierten Bundesstaaten und der Drehbuchautoren nach einer einstweiligen Verfügung gegen den Vollzug der Übernahme zu entscheiden. Dabei signalisierte sie, dass sie die Wettbewerbsbedenken durchaus ernst nimmt. Mit der Aussetzung der Übernahme sind die Forderungen nach einer einstweiligen Verfügung vorerst hinfällig. Die separaten Klagen der Bundesstaaten und der Drehbuchautoren wurden inzwischen in einem Verfahren zusammengeführt. 

Trump droht EU: „wird sehr hohen Preis“ für Google-Rekordstrafe zahlenUS-Präsident Donald Trump hat der Europäischen Union wegen einer neuen Wettbewerbsstrafe für den Google-Konzern mit erhöhten Zöllen gedroht. Die EU werde einen „sehr hohen Preis“ für die Rekordbuße von 890 Millionen Euro zahlen, erklärte Trump am Freitag in seinem Onlinedienst Truth Social. Er kündigte eine neue Zolluntersuchung gegen die EU an und begründete diese mit dem angeblichen „Ausrauben amerikanischer Unternehmen“ und damit auch der Steuerzahler.Trump schrieb weiter, den Europäern werde „so bald wie möglich ein erheblicher Zoll auferlegt“. Die EU-Kommission hatte die Strafe gegen Google am Donnerstag verhängt. Die Brüsseler Wettbewerbshüter werfen dem Techkonzern unter anderem vor, bei der Anzeige von Google-Suchergebnissen eigene Dienste zu bevorzugen und damit Konkurrenten zu benachteiligen. 

Munich Re verdient mehr als erwartet Der Rückversicherer Munich Re hat wegen geringerer Schäden im zweiten Quartal mehr verdient, als am Markt erwartet worden war. Wie der Konzern am Freitag mitteilte, lag der Nettogewinn nach vorläufigen Zahlen in den drei Monaten von April bis Ende Juni bei 2,2 Milliarden Euro. Die Prognosen der Analysten lagen im Mittel bei 1,8 Milliarden Euro. ​Im Vorjahreszeitraum hatte die Münchener Rück 2,1 Milliarden Euro verdient. Die endgültigen Zahlen für das zweite Quartal wird die Munich Re am 7. August veröffentlichen. Nach den ersten sechs Monaten liegt der Nettogewinn bei 3,9 Milliarden Euro. Damit sieht sich der Konzern auf einem guten Weg, das Gewinnziel für das Gesamtjahr von 6,3 Milliarden Euro zu erreichen. Neben einer insgesamt erfreulichen Entwicklung und einer sehr geringen Belastung durch Großschäden wie zum Beispiel Naturkatastrophen berichtete die Munich Re von einem sehr starken Kapitalanlageergebnis. Dieses schlage sich auch in dem „außerordentlich guten Nettoergebnis“ des Erstversicherers Ergo von 0,3 Milliarden Euro nieder.

Varta stellt InsolvenzantragDer Batteriehersteller ​Varta hat vier Insolvenzanträge gestellt. Das ⁠bestätigte eine Sprecherin des Amtsgerichts in Stuttgart am Freitag. Die Anträge würden derzeit ‌von der zuständigen Richterin geprüft. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte bereits am Donnerstag ‌erfahren, dass das ‌abermals in Schieflage geratene Unternehmen aus Ellwangen Insolvenz anmelden werde, nachdem die ​bisherigen Eigentümer, der Sportwagenbauer ⁠Porsche und der österreichische Unternehmer Michael Tojner, nicht mehr ​zu einer weiteren Kapitalspritze bereit seien. ⁠Varta steht damit ‌vor der Zerschlagung: Die wichtigsten Gläubiger, darunter die Deutsche Bank und mehrere ⁠Hedgefonds, wollen ⁠das profitable Haushaltsbatterien-Geschäft übernehmen, Tojner hat Interesse ⁠am Geschäft ​mit ⁠Mikrobatterien – etwa Knopfzellen ​für Hörgeräte – angemeldet.