FAZ 12.03.2026
14:09 Uhr

Brand in der Schweiz: Auch im Bus kam es zum „Flashover“


Nach dem Brand in einem Bus in der schweizerischen Gemeinde Kerzers sind die sechs Todesopfer identifiziert worden. Der Brandverlauf erinnert an das Inferno in Crans-Montana.

Brand in der Schweiz: Auch im Bus kam es zum „Flashover“

Nach dem Brand in einem Bus in der schweizerischen Gemeinde Kerzers sind die sechs Todesopfer identifiziert worden. Demnach handelt es sich bei dem mutmaßlichen Brandstifter um einen 65 Jahre alten Schweizer aus dem Kanton Bern. Das teilte die Kantonspolizei Freiburg mit. Laut Staatsanwaltschaft war der Mann psychisch instabil und verwirrt. Er übergoss sich mit einer leicht entflammbaren Flüssigkeit und zündete sich an. Da das Feuer in der Mitte des Busses ausbrach und sich sehr schnell ausbreitete, hatten die Fahrgäste im hinteren Teil des Fahrzeugs kaum eine Chance, dem Inferno zu entkommen. Dort gab es keine Tür. Eine Klinik im Kanton Bern hatte den Mann einige Stunden vor der Tat als vermisst gemeldet. Die Polizei leitete eine Suche ein und nahm Kontakt zu Angehörigen und Betreuern auf, erhielt dabei aber keine Hinweise darauf, dass von dem Gesuchten eine Gefahr ausgehen könnte. Binnen einer Minute kam es zum Feuerüberschlag Auch der Busfahrer, ein 63 Jahre alter Mann portugiesischer Herkunft, kam durch den Brand ums Leben. Ferner starben zwei Frauen im Alter von 25 und 39 Jahren sowie zwei Männer im Alter von 16 und 29 Jahren. Alle vier waren Schweizer Staatsbürger und lebten in der Region. Fünf Personen wurden verletzt. Der Brandverlauf erinnert an das Inferno im Walliser Bergort Crans-Montana, wo in der Silvesternacht Schaumstoffmatten an der Decke einer Bar Feuer fingen. Daraufhin kam es binnen einer Minute zu einem Feuerüberschlag („Flashover“), der die Temperaturen explosionsartig bis auf 1000 Grad nach oben trieb und den ganzen Raum in Flammen setzte. Nach Ansicht von Fachleuten dürfte das auch im Inneren des Busses geschehen sein, zumal sich durch den entzündeten Brennstoff sofort eine enorme Hitze entwickelte. Diese setzte die verbauten Materialien, darunter viel Kunststoff, schlagartig in Brand. Hinzu kam der schwarze Rauch, der sich sofort ausbreitete. Dieser war nicht nur toxisch, sondern erschwerte auch die Sicht der Fahrgäste. In einer solchen Situation den Notfall-Hammer zu finden, der für derlei Fälle in Bussen angebracht ist, sei fast unmöglich, sagte ein ehemaliger Busfahrer der Zeitung „Blick“. „Wer solche Situationen nicht trainiert hat, ist schlicht überfordert.“