Der Sommer, der jetzt schon historisch ist, ist immer noch jung. Er könnte noch zur Höchstform auflaufen. Pünktlich zu den Hundstagen, den statistisch heißesten Wochen des Jahres, dreht die Hitze noch einmal auf. Höchstwerte von bis zu 40 Grad werden in dieser Woche erwartet, die dritte Hitzewelle des Sommers steht an – und erneut spürt das Land, was vom Klimawandel aufgeheizte Mittelmeerluft anrichtet: Der Sommer hat seine Leichtigkeit verloren, er ist fast nicht mehr auszuhalten. Die Hitze ist aber nur ein Aspekt dieses Sommers. Nachhaltiger und gravierender sind die Folgen, die die Dürre in manchen Landesteilen anrichtet. Im Süden ist es jetzt schon trockener als im Jahrhundertsommer 2003 – und man muss nur in den Garten, in die Landschaft und die Wälder schauen, um das ganze Elend zu bemerken. Rasenflächen sind bereits seit Ende Juni verdorrt, feuchtigkeitsliebende Pflanzen wie Hortensien und Rhododendren hängen schon mittags durch – und allmählich verfärben sich auch die Wälder. Das saftige Grün des Frühjahrs weicht braunen und gelben Farbklecksen. Die Bäume leiden. Von Dürre geplagt sind aber nicht nur die anfälligen Fichten, auch Buchen und Eichen sind im Trockenstress. Letztere gilt zwar als König des Waldes, als ein Baum der Ewigkeit, Standhaftigkeit und Stärke, doch mittlerweile wankt auch der König. Mehr als die Hälfte aller heimischen Eichen hat sich von den Dürren der vergangenen Jahre nicht erholt, sie haben deutlich lichtere Kronen. Zudem sinken die Grundwasserspiegel, was Eichen in den naturnahen Auwäldern besonders drastisch trifft. Und als wäre dies nicht genug, kämpfen die Eichen nun auch noch mit einem Schädling, der sich in diesem Sommer besonders schnell ausbreitet. Die Rede ist von der Eichennetzwanze, einem drei Millimeter kleinen Einwanderer mit dem netzartigen Aussehen aus Nordamerika namens Corythucha arcuata, der hierzulande erstmals 2021 nachgewiesen wurde. Der Winzling hat dunkle Flecken auf den Flügeln und saugt an der Unterseite der Blätter von dreißig Eichenarten. Hierzulande findet man ihn vor allem an Trauben-, Stiel-, Flaum-, Zerr- und Roteiche. Er labt sich aber auch an Ahorn, Buche, Kastanie oder Linde. Wegen der Hitze sind die kleinen Biester auf dem Vormarsch, mancherorts tauchen sie massiv auf, sagte Martin Husemann, der Direktor des Karlsruher Naturkundemuseums, kürzlich der Deutschen Presse-Agentur. Sie würden sich hierzulande ansiedeln und schnell ausbreiten. Die durch die Dürre geschwächten Eichen würden durch den Befall der Wanzen zusätzlich geschwächt. Die Eichennetzwanzen saugen an den Blättern und stören die Nährstoffversorgung, weshalb die Blätter vergilben und allmählich abfallen. Zudem macht der Schädling die geschwächten Bäume anfälliger für Schwammspinner oder Mehltau. Was sie in den Bäumen genau anrichten, wissen die Forscher noch nicht. Fachleute sehen in den Wanzen eine erhebliche Bedrohung für europäische Eichenwälder. Die Wanzen nutzen den Menschen, um sich zu verbreiten. Man findet sie entlang von Straßen und Eisenbahnschienen, an Gewerbegebieten, Tankstellen und Autobahnrastplätzen. Zu Beginn befallen sie exponierte Eichen im unteren Kronenbereich. Mittlerweile haben sie den Oberrhein besiedelt, entlang der Rheinschiene breiten sie sich derzeit nach Norden aus. Auch für den Menschen können sie lästig werden. Die Wanzen bleiben an Haaren und Kleidung kleben und können sogar stechen und in seltenen Fällen sogar kleine Hautirritationen verursachen. Der Sommer wird irgendwann zu Ende gehen, die Eichennetzwanze aber bleibt.
