FAZ 14.09.2026
13:05 Uhr

Bildungsmonitor 2026: Was an Hessens Schulen gut läuft und was nicht


Besonders gut gelingt an Hessens Schulen die Integration. Doch bei der Digitalisierung liegt das Land laut einer Studie nur auf dem zwölften Rang aller Bundesländer.

Bildungsmonitor 2026: Was an Hessens Schulen gut läuft und was nicht

Das Land Hessen hat sich im Bildungsmonitor 2026, einer deutschlandweiten Vergleichsstudie, leicht verschlechtert, bleibt aber im oberen Mittelfeld. In der Bewertung der Bundesländer rutscht Hessen vom sechsten auf den siebten Platz ab. Auf den ersten drei Plätzen liegen Sachsen, Bayern und Hamburg, das Schlusslicht ist Bremen. Die wissenschaftliche Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft wird im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft erstellt und bewertet jährlich, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert. Sie ist damit nach eigenen Angaben die breiteste jährliche Bildungs-Metastudie in Deutschland. In das Bildungsranking fließen 98 Indikatoren ein, von der Ganztagsbetreuung bis zur Schulqualität. Der Studie zufolge liegen die Stärken von Hessen in der Integration, der Förderinfrastruktur und den Betreuungsbedingungen. Verbesserungsfähig seien Digitalisierung, Internationalisierung und Priorisierung der Ausgaben. Soziale Herkunft entscheidet nicht so stark über Bildungserfolg Besonders gut gelingt es in Hessen, ausländische Schüler zu integrieren. Bei der Integration liegt Hessen im Deutschlandvergleich auf dem ersten Platz. Den Bestwert aller Bundesländer erzielt Hessen bei der Schulabbrecherquote von ausländischen Jugendlichen: Nur 12,6 Prozent der ausländischen Jugendlichen verlassen die Schule ohne Abschluss, der Bundesdurchschnitt liegt bei 20 Prozent. Überdurchschnittlich schneidet Hessen auch bei der Quote von ausländischen Schülern ab, die nach der Schule zum Studium berechtigt sind. Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg ist in Hessen geringer als in vielen anderen Bundesländern. Auch die Kinderbetreuung am Nachmittag ist in Hessen besser ausgebaut als im Durchschnitt der Länder: 57,6 Prozent der hessischen Grundschüler besuchen ganztags die Schule, der Bundesdurchschnitt liegt bei 51,2 Prozent. In der Sekundarstufe I werden in Hessen 80,4 Prozent der Schüler ganztags betreut, bundesweit sind es nur 48,6 Prozent. Überdurchschnittlich schneidet Hessen bei der Betreuung im Kindergartenalter ab: 57,3 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen werden ganztags betreut, in ganz Deutschland beträgt der Wert 48,2 Prozent. Der Betreuungsschlüssel liegt in Hessen ebenfalls über dem Durchschnitt. Auf eine Lehrkraft in der Grundschule kommen in Hessen rechnerisch 14,3 Kinder, bundesweit sind es 15,9. In den hessischen Kitas betreut ein Erzieher 4,7 Kinder, deutschlandweit sind es 5,2. Bei der Klassengröße in der Grundschule weist Hessen den zweitbesten Wert aller Bundesländer auf: 19,6 Schüler sind in einer Klasse, der Deutschland-Durchschnitt der Klassengröße sind 21,4 Kinder. Schlechtes WLAN an den Schulen Deutlich schwächer schneidet Hessen bei der Digitalisierung ab. Hier liegt das Land nur auf dem zwölften Rang aller Bundesländer. In der Studie wird bemängelt, dass es bisher keinen verpflichtenden Informatikunterricht an den Schulen gebe, was sich allerdings zum nächsten Schuljahr mit der Einführung des neuen Fachs „KI und digitale Welt“ ändern soll. Ebenfalls unterdurchschnittlich ist die Verfügbarkeit von schnellem WLAN an den Schulen. Auch beim Fremdsprachenunterricht sieht die Studie noch Luft nach oben: Relativ wenige Grundschüler werden in Fremdsprachen unterrichtet. Mit 48,8 Prozent liegt Hessen leicht unter dem Bundesdurchschnitt von 51,7 Prozent. Ähnlich ist das Bild bei den Berufsschülern mit Fremdsprachenunterricht. Bei den Bildungsausgaben schneidet Hessen eher schlecht ab. Das Land investiert verhältnismäßig wenig Geld in die weiterführenden Schulen, die beruflichen Schulen und die Hochschulen. Bildungsminister Armin Schwarz (CDU) wertet die Ergebnisse als Beleg dafür, dass die Ideen der Landesregierung greifen. „Der Bildungserfolg von Schülerinnen und Schülern hängt bei uns in Hessen weniger stark von ihrer sozialen Herkunft ab als in vielen anderen Ländern.“ In keinem anderen Land gelinge es besser, so viele junge Menschen mit Migrationsgeschichte erfolgreich zu einem Schulabschluss zu führen. Daniel May, bildungspolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, wirft Schwarz „Schönfärberei“ vor: „Er pickt sich die Teilergebnisse der Untersuchung heraus, die ihm genehm sind.“ In Sachen Schulqualität und bei den Bildungsausgaben stelle der Bildungsmonitor Hessen ein schlechtes Zeugnis aus. Moritz Promny (FDP) bewertet die Ergebnisse ebenfalls kritisch. Bei den Ausgaben je Schüler ab Klasse fünf im Verhältnis zu den Landesausgaben je Einwohner liege Hessen auf dem vorletzten Platz. „Wer bei der Bildung kürzt, während Hessen bei zentralen Schülerleistungen auf den hinteren Plätzen landet, setzt die falschen Prioritäten“, meint er. Zumal die hessischen Schüler in den Kompetenzen Mathematik und Lesen nur den 13. Platz belegten und Platz 14 in den Naturwissenschaften. Auch das Bildungschancenpaket könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass gekürzt werde und Lehrerstellen unbesetzt blieben, meint Promny. Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände bilanziert: „Hessen bleibt stark bei Integration, Ganztag und Betreuung, hat aber bei der Digitalisierung deutlichen Nachholbedarf.“ Mit dem Ende August vorgestellten Bildungschancenpaket schlage die Landesregierung den richtigen Kurs ein, vor allem mit dem verpflichtenden Fach „KI und Digitale Welt“. „Hessen ist Integrationsmeister und stark im Ganztag“, sagt Verbandspräsident Wolf Matthias Mang. Jetzt komme es darauf an, die Chancen von Digitalisierung und KI konsequent zu nutzen und Hessen auf diesen Gebieten zum Vorreiter zu machen.