In Nordrhein-Westfalen gibt es rund 30.000 Brücken, viele von ihnen sind in einem schlechten Zustand. Dass es auch riesige wirtschaftliche Auswirkungen hat, wenn eine wichtige Brücke von einem Tag auf den anderen komplett gesperrt wird, zeigt das Beispiel der Bonner Nordbrücke, die Teil der Autobahn 565 ist und damit die wichtigste Ost-West-Verbindung für die Region. Ihre Sperrung zieht Umsatzeinbußen, Fachkräfteprobleme, Lieferverzögerungen, Kunden- und Buchungsrückgänge nach sich – und noch vieles mehr, wie eine neue Befragung zeigt. Seit vier Monaten ist die Bonner Nordbrücke für den Verkehr komplett geschlossen, weil gefährliche Schäden an der sogenannten linksrheinischen Vorlandbrücke festgestellt worden waren. Nun zeigt eine aktuelle, gemeinsame Umfrage von Wirtschaftsorganisationen und -förderungen unter 1160 Unternehmen aus der Region, die am Freitag in Bonn vorgestellt wurde: 92 Prozent der befragten Firmen sind von der Schließung betroffen. Mehr als 70 Prozent berichten, die Erreichbarkeit ihres Unternehmens und der Ziel- und Auftragsorte habe sich spürbar oder sogar sehr stark verschlechtert. 41 Prozent beklagen Umsatzeinbußen. Der Chef der IHK Bonn/Rhein-Sieg, Hubertus Hille, sagte, es handele sich um eine „veritable Gefahr“ für den Wirtschaftsstandort Bonn. Der ADAC habe – noch vor der Brückensperrung – in einer Ex-ante-Rechnung einen gesamtwirtschaftlichen Schaden von 172 Millionen Euro durch eine Nichtbefahrbarkeit der Nordbrücke prognostiziert. Die Situation wirke „ein Stück weit wie ein Staatsversagen“, daraus leite sich eine „Verpflichtung“ für den Bund ab, der Region zu helfen. Er fordere keine Subventionen, sondern vielmehr Infrastrukturinvestitionen. „Die Negativmeldungen strahlen aus in die gesamte Republik“ Besonders betroffen von den wirtschaftlichen Folgen der Brückensperrung sind der Umfrage zufolge Handwerksbetriebe, aber auch Dienstleistungsunternehmen, Einzelhandel, Gastronomie und die Hotellerie. „Mitarbeiter haben gekündigt, die Personalgewinnung hat sich deutlich erschwert, Bewerber haben abgesagt, weil sie die Wegstrecke nicht leisten können“, zählt Regina Rosenstock von der örtlichen Wirtschaftsförderung die vielfältigen Probleme auf. Zudem habe eine einzelne regionale Brückensperrung auch überregionale Auswirkungen, sagte Christoph Becker vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga: „Die Negativmeldungen strahlen aus in die gesamte Republik.“ Kollegen aus Hamburg oder Freiburg hätten ihm gesagt: „Bonn ist im Augenblick nicht erreichbar.“ Dies habe starke Folgen nicht nur für den Tourismus, sondern auch für die Planung nationaler und internationaler Konferenzen am Standort. „Wir sehen das sehr pessimistisch. Wer wird denn in Zukunft noch größere Tagungen hier in der Region machen?“, fragte Becker. Anfang Juni war die Bonner Nordbrücke, über deren schlechten Zustand zuvor schon lange diskutiert worden war, von einem Tag auf den anderen komplett gesperrt worden. Vor ihrer Schließung wurde sie täglich von mehr als 100.000 Fahrzeugen genutzt. Ihr linksrheinischer Teilabschnitt muss abgerissen und neu gebaut werden; ein Bauunternehmen hat schon vor gut zwei Monaten mit dem Abbruch begonnen. Bis Ende 2028 soll der Abschnitt wieder neu errichtet sein – bis dahin bleibt die gesamte Nordbrücke weiter gesperrt.
