Wohin bloß mit all der Freude nach diesem Augenblick? Luca Reggiani rannte glückselig drauflos nach seinem ersten Bundesligatreffer, einem platzierten Kopfball zum 2:0 für Borussia Dortmund nach Julian Ryersons Eckball (59. Minute). Damit besiegelte der 18 Jahre alte Italiener den nie bedrohten Sieg seiner Mannschaft über den am Samstag überforderten FC Augsburg. Reggiani, 2024 aus der Jugendabteilung der US Sassuolo verpflichtet, beackerte in seinen fünf bisherigen Einsätzen für den BVB – vier in der Bundesliga, einer im Play-off-Hinspiel der Champions League beim 2:0-Sieg über Atalanta Bergamo – frühreif und leidenschaftlich zugleich sein Terrain als Innenverteidiger. Nach seinem Premierentor, das dem frühen 1:0 durch Karim Adeyemi (13.) folgte, stürmte Reggiani zuerst in die Arme seines 17 Jahre alten Landsmanns Samuele Inacio, der auf der Bank saß und bei der 2:3-Heimniederlage gegen den FC Bayern München in der Schlussviertelstunde seine Bundesliga-Premiere gefeiert hatte. „Er hat mir gesagt, wenn Du triffst, komm zu mir. Wir haben eine tolle Verbindung untereinander.“ Der am Samstag gefeierte Reggiani und der offensive Mittelfeldspieler Inacio besitzen das Talent, das Spiel der Schwarzgelben in Zukunft mit einer italienischen Note zu bereichern. Wie Reggiani traf und wie er am Samstag spielte, offenbarte von der ersten bis zur letzten Minute ob dessen Übersicht, Zweikampfstärke, Passqualität und Motorik die Topqualität eines verheißungsvollen Jungprofis. Sein Vertrag mit dem BVB endet 2027 und soll deshalb bald verlängert werden. Der 1,94 Meter lange Italiener kam, sah und siegte mit seiner ganzheitlichen Qualität, seinen Kernjob unaufgeregt zu erfüllen und dazu den Spielfluss des BVB bis hin zu den Abschlusssituationen zu bereichern. Alles was er macht und unterlässt, wirkt erwachsen, selbstsicher, fast schon abgeklärt. Und das in seinem Alter. Seinen jugendlichen Sturm und Drang lebte er am Samstag erst in dem Moment aus, als er seinen Premierentreffer auf der großen Bühne Bundesliga ekstatisch auskostete. „Er freute sich dermaßen, dass er gar nicht wusste, wohin mit ihm“, beschrieb sein Trainer Niko Kovac Reggianis großen Moment, „die Emotionen, die aus ihm herauskamen, waren wunderschön.“ Schon dessen ersten Bundesliga-Auftritt beim 4:0-Heimsieg über Mainz 05 hatte Kovac, ohne in Superlativen zu schwelgen, gelobt. Der junge Mann habe seinen Job „richtig gut gemacht“. Wie aus Jünglingen gestandene Spieler werden, das kennen sie in Dortmund. Legendär ist der BVB-„Kinderriegel“, den zu Zeiten des Trainers Jürgen Klopp die damals 19 Jahre alten Innenverteidiger Mats Hummels und Neven Subotic bildeten. Luca Reggiani knüpft an diese Tradition an. Fehlt nur noch ein gleichaltriger Nebenmann.
