FAZ 17.08.2026
18:21 Uhr

BSW und AfD: Showdown der Populisten


Die BSW-Fraktion in Thüringen bleibt CDU und SPD treu. Sachsen-Anhalt dagegen droht zur Beute von Wagenknecht und AfD zu werden.

BSW und AfD: Showdown der Populisten

Die Doktorarbeit von Mario Voigt war nur ein Vorwand für den Versuch der BSW-Führung, der Thüringer Koalition den Garaus zu machen. Denn in der Sache hat sich nicht viel getan. Voigt geht rechtlich gegen die Aberkennung seines Doktorgrads vor, die von der Chemnitzer Universität jüngst noch einmal bestätigt worden war. So weit ist in Erfurt alles so, wie es schon war, als der BSW-Landesverband 2024 eine Koalition mit CDU und SPD („Brombeer“) eingegangen war. Der Bundesverband und Sahra Wagenknecht waren allerdings schon damals gegen dieses Bündnis, das Voigt im Amt hält und – wegen der Brandmauer zur AfD – mangels einer eigenen Mehrheit von der Linkspartei abhängig macht. Das BSW könnte stattdessen der AfD und Björn Höcke zur Macht verhelfen. Die beiden Parteien könnten in Thüringen also veranstalten, was Wagenknecht auch für Sachsen-Anhalt im Auge hat: die Wahl eines „unabhängigen“ Ministerpräsidenten oder aber eines AfD-Kandidaten per Enthaltung. Gemeinsame Sache mit der AfD Dass Wagenknecht schon jetzt gemeinsame Sache mit der AfD macht, zeigt die plötzliche Sensibilität für Voigts Doktorarbeit. Die Parteichefin ist Trittbrettfahrerin eines hier von der AfD beauftragten Plagiatsjägers. Auch vom Geplänkel zwischen ihr und Höcke über die Frage, wie man Regierungsämter zuschanzen oder anderswie zueinanderfinden könnte, weiß man nicht: Ist es politisches Liebesspiel oder Showdown der Populisten? Dem BSW sichert das alles zweifelhafte Aufmerksamkeit, die es dringend braucht angesichts seiner Schwäche in Sachsen-Anhalt. Die BSW-Fraktion in Erfurt wollte dabei nicht mitspielen und lehnte den Koalitionsbruch ab. Man sollte sich aber keine Illusionen über den Ehrgeiz Wagenknechts und den der AfD machen. Sie wirken geradezu wie die Karikatur der Vorstellung, die sie von ihren Gegnern unters Volk bringen wollen: Postengeschacher, Machtgeilheit und ein Staat, der zur Beute ihrer Parteiinteressen wird, bevor sie überhaupt gewählt wurden.