FAZ 20.03.2026
07:44 Uhr

(+) Zukunft der Oper: Klassik, verpiss dich!


Oper als Netflix-Ersatz? In Amsterdam zeigt das Opera Forward Festival politisch korrekte, KI-glatte Produktionen unter Sparzwang – die sich dem ökonomischen Druck unterwerfen.

(+) Zukunft der Oper: Klassik, verpiss dich!

Über zwei Arten von Toiletten verfügt die Niederländische Nationaloper in Amsterdam: genderspezifische, die nach Frauen und Männern trennen, und nun auch genderneutrale. Denn: „Jeder ist willkommen an der Niederländischen Nationaloper und am Ballett.“ Statt Worten und Zeichen für Männer und Frauen weisen Piktogramme mit dem Verrichtungsgeschirr auf die nicht-binären Aborte hin: Steh- oder Sitzbecken. Jeder kann kommen, wohin er, sie, es mag. Die Verrichtungsorgane – von den Engländern einst private parts genannt – sind längst politisch geworden. Die Körperlichkeit des Geschlechts wurde zu einer Frage von Wille und Vorstellung erklärt. Der Wille drängt auf Repräsentation, die sich in den neuen Piktogrammen ästhetisch manifestiert, aber nicht nur dort.

Was kann Fotografie leisten? Im Wiener Foto Arsenal entführt der Klassiker unter Japans Fotografen, Daido Moriyama, in die sechziger und siebziger Jahre in seiner Heimat.

Die Tugend steht fester in der Gefahr, und Paolo Sorrentino fixiert in seinem Film „La Grazia“ die heroischen Rollenerwartungen an die moderne Politik, um am Ende doch Milde walten zu lassen für seinen Lieblingsschauspieler Toni Servillo.

Siri Hustvedt lebte 43 Jahre lang mit dem ebenfalls weltberühmten Schriftsteller Paul Auster zusammen. Vor zwei Jahren ist er gestorben. In „Ghost Stories“ trauert sie nun – ohne schützenden Filter.

Redakteur im Feuilleton.

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