Dlf 07.10.2026
15:47 Uhr

Spionageverdacht - Ex-BND-Präsident Hanning in U-Haft


Nach der Festnahme des ehemaligen BND-Präsidenten Hanning prüft das Bundesinnenministerium mögliche Verstöße gegen Geheimhaltungsvorschriften auch während dessen Zeit als Innenstaatssekretär. Der frühere BND-Präsident sitzt in Untersuchungshaft.

Spionageverdacht - Ex-BND-Präsident Hanning in U-Haft
Das Bundesinnenministerium beginnt nach Angaben einer Sprecherin unverzüglich mit der Untersuchung. Näher äußerte sie sich nicht.
Ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe hatte zurvor den Haftbefehl gegen den 80-Jährigen in Kraft gesetzt. Die oberste Anklagebehörde in Deutschland wirft Hanning geheimdienstliche Agententätigkeit, landesverräterische Ausspähung, Auskundschaften von Staatsgeheimnissen und versuchten Landesverrat vor. Er war am Dienstag festgenommen worden.
Hannings früherer Büroleiter beim Bundesnachrichtendienst (BND), Manfred D., war am Dienstag wegen Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung in U-Haft gekommen.

Ex-Chef mit geheimen Infos aus dem BND versorgt?

Die Behörden vermuten, dass die beiden vermutlich 2010 vereinbart haben, dass der Ex-Büroleiter dem fünf Jahre zuvor aus dem Amt geschiedenen Hanning gegen Bezahlung fortlaufend wertvolle BND-Erkenntnisse besorgen solle. Diese Informationen soll Hanning gewinnbringend bei seiner Beratertätigkeit verwertet haben. 
Demnach hätte Hanning über einen Zeitraum von möglicherweise zwölf Jahren über Informationen verfügt, die ausschließlich für interne Angelegenheiten des deutschen Auslandsgeheimdienstes gedacht waren. In einem Fall soll er geheime Informationen genutzt haben, um für den Mitarbeiter eines fremden nachrichtendienstlichen Sicherheitsapparates eine Analyse zu erstellen. "Ob das Produkt den Adressaten erreichte, ließ sich bislang nicht feststellen", teilte die Bundesanwaltschaft mit. Um welches Land es geht, blieb offen.

Hannings Anwalt widerspricht

Hannings Anwelat erklärte, sein Mandant sei zwar im Besitz vertraulicher Unterlagen gewesen. "Unzutreffend ist allerdings der Vorwurf, er habe darin enthaltene Informationen zum Nachteil der Bundesrepublik Deutschland - geschweige denn gegen Bezahlung - weitergegeben", teilte Rechtsanwalt Leon Kruse mit. Die weiteren Ermittlungen würden das zeigen. "Mein Mandant wird zu Unrecht verfolgt", betonte Kruse.

Block-Prozess brachte die Ermittler auf die Spur

Die mutmaßliche Spionage flog bei einer Razzia bei Hanning im vergangenen Jahr auf. Dabei ging es ursprünglich um ganz andere Vorwürfe im Zusammenhang mit der mutmaßlichen Entführung der Kinder von Steakhauskettenerbin Christina Block. Was bei der Durchsuchung gefunden wurde, rief die Bundesanwaltschaft auf den Plan. 

Enge Weggefährten

Hanning war von Dezember 1998 bis Ende November 2005 BND-Präsident. Laut Bundesanwaltschaft soll Manfred D. zwischen Dezember 2005 und November 2009 Hanning als Assistent ins Bundesinnenministerium gefolgt sein, wo dieser Staatssekretär war. Im Anschluss wechselte Hanning in die Privatwirtschaft und arbeitete als Sicherheitsberater. 
Manfred D. arbeitete laut Bundesanwaltschaft zwischen März 2012 bis März 2026 erneut für mehrere BND-Präsidenten als Büroleiter. In dieser Funktion habe er Zugriff auf geheimhaltungsbedürftige Informationen gehabt. Nach dpa-Informationen ist Manfred D. mittlerweile pensioniert.

PKG-Vorsitzender Henrichmann fordert konsequentes Handeln im Fall Hanning

Angesichts der Spionagevorwürfe gegen den früheren BND-Chef Hanning verlangt der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, Henrichmann, Konsequenzen. Was die Kontrolle der Nachrichtendienste angehe, lägen viele Ideen auf dem Tisch.
Der CDU-Politiker sagte im Deutschlandfunk, es gelte, kaputtes Vertrauen wiederherzustellen. Zugleich warnte Henrichmann vor voreiligen Schlüssen. Die deutschen Nachrichtendienste hätten einen verlässlichen Ruf in der Welt. Kein Dienst sei vor solchen Geschehnissen gefeit. Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es nicht, meinte Henrichmann.
Diese Nachricht wurde am 07.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.