Dlf 05.10.2026
04:40 Uhr

Besuch in Kiew - Merz verteidigt Ukraine-Hilfen: "Im eigenen Interesse Deutschlands"


Bundeskanzler Merz hat die in der deutschen Bevölkerung teils umstrittene Unterstützung der Ukraine verteidigt. Er sagte bei seinem Besuch in Kiew, die Hilfen seien gerade in diesem Jahr und vor diesem Winter im zutiefst eigenen nationalen Interesse Deutschlands. Merz verwies etwa auf tägliche russische Internetattacken auf Rechenzentren und Datennetze in Deutschland.

Besuch in Kiew - Merz verteidigt Ukraine-Hilfen:
Solche Angriffe hörten nicht auf, wenn man der Ukraine nicht mehr helfe, so der Kanzler. Im Gegenteil - es gebe sie dann noch häufiger. Das Wichtigste sei der Erhalt der bestehenden politischen Ordnung in der EU, die nicht nur in der Ukraine, sondern in ganz Europa bedroht werde.  Merz fügte hinzu, womöglich müsse die Hilfe besser und ausführlicher begründet werden. Der Bundeskanzler sagte der Ukraine bei seinem Besuch eine Milliarde Euro an Militärhilfen und weitere 350 Millionen für den Energiesektor zu.

Drohnenalarm während des Besuchs

Während des Besuchs gab es mehrfach Drohnenalarm. Der Kanzler besichtigte zusammen mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj unter anderem die Ruine der Akademie der Wissenschaften. Das Gebäude war am Montag von einer russischen Drohne getroffen worden. Der CDU-Politiker sagte, er appelliere noch einmal an den russischen Staatspräsidenten: "Hören Sie diesen sinnlosen Krieg auf". Man sei bereit, über ein Ende des Krieges zu sprechen, aber erst, wenn die Waffen schwiegen. Der Kanzler sprach von "täglichen Kriegsverbrechen", die in Kiew verübt würden. Selenskyj dankte Merz für die Unterstützung und attestierte Deutschland "konsequente Führungsstärke". Russland müsse gemeinsam gestoppt werden.
Merz wurde von Wirtschaftsministerin Reiche begleitet. Während des Besuchs gab es einen russischen Drohnenangriff auf eine Brücke in der ukrainischen Hauptstadt. Moskau hatte gestern vor Reisen nach Kiew gewarnt.

Weitere Hilfszusagen

Nach Angaben aus Regierungskreisen will die Bundesregierung den ukrainischen Streitkräften in Kiew die baldige Auslieferung tausender Abfangdrohnen zusichern. Zudem soll die Produktion weitreichender Waffen vorangetrieben werden. Insgesamt sollen dafür eine Milliarde Euro aus bereits bewilligten Haushaltsmitteln freigegeben werden und weitere 350 Millionen Euro für Reparatur und Wiederaufbau zerstörter Kraftwerke.

Klitschko nennt Situation in Kiew "extrem dramatisch"

Die Sicherheitslage in Kiew hatte sich zuletzt verschlechtert. Bürgermeister Klitschko nannte die Situation in der Stadt "extrem dramatisch". Er warnte davor, dass Kiew "in Stücke gerissen" werde. Russland hatte in den vergangenen Tagen mehrere Brücken über den Dnipro angegriffen sowie die Energieinfrastruktur und weitere zivile Ziele.

Aus dem Deutschlandfunk-Programm

Luftalarm und Drohnenangriffe während Kanzlerbesuch
Diese Nachricht wurde am 05.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.