Dlf 05.09.2026
01:47 Uhr

Anschläge auf Umspannwerke - Dobrindt geht von "Klimaextremismus" aus - Fahndung nach Tatverdächtigem läuft


Bundesinnenminister Dobrindt hat die Sabotageversuche an deutschen Umspannwerken als "Klimaextremismus" bezeichnet. Der CSU-Politiker sagte, man gehe derzeit von einem Einzeltäter aus. Die Fahndung nach dem Verdächtigen läuft.

Anschläge auf Umspannwerke - Dobrindt geht von
Der nordrhein-westfälische Innenminister Reul bestätigte, den Behörden lägen Bekennerschreiben von einem 48-jährigen Mann aus Gevelsberg vor. Als Motiv nenne dieser den "Kampf gegen fossile Brennstoffe". Die Schreiben enthielten detailliertes Täterwissen zu den Vorfällen in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. Bei der Durchsuchung der Wohnung habe die Polizei am Freitag sprengstoffverdächtige Gegenstände gefunden.
Später gab es einen SEK-Einsatz am Hambacher Forst in der Nähe des Braunkohletagebaus zwischen Aachen und Köln. WDR und "Bild" berichteten, dass Spezialkräfte dort einen auffälligen LKW gestürmt haben. Den Tatverdächtigen fanden sie aber nicht. Er soll jetzt zu Fuß unterwegs sein.
Dobrindt sagte auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Reul, Deutschland habe aktuell mit unterschiedlichen Bedrohungs- und Gefährdungslagen gleichzeitig zu tun.
Am Dienstag war mit Hilfe von Abschussvorrichtungen gezielt die Stromversorgung in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen gestört worden. Donnerstagabend fand man ähnliche Gegenstände auf einem Feld in der Nähe der Stadt Dormagen in Nordrhein-Westfalen. Im niedersächsischen Landkreis Oldenburg gab es einen Polizeieinsatz an einem Umspannwerk.

Sabotageverdacht auch in Sachsen

Auch an zwei Umspannwerken im sächsischen Landkreis Görlitz wurden Spreng- oder Brandvorrichtungen entdeckt. Sachsens Innenminister Schuster (CDU) bestätigte entsprechende Medienberichte. Er sagte der Deutschen Presse-Agentur, Polizeikräfte hätten an zwei Fundorten vier Objekte gesichert. Laut Schuster gab es ein Bekennerschreiben. Die sächsischen Sicherheitsbehörden stünden mit allen weiteren betroffenen Ländern in enger Abstimmung.
Umspannwerke zählen zur sogenannten kritischen Infrastruktur. Sie umfasst all jene Bereiche, deren Beeinträchtigung oder Ausfall zu Versorgungsengpässen, Störungen der öffentlichen Sicherheit und weiteren dramatischen Folgen führen kann. Dazu gehören beispielsweise Energie, Informationstechnik, Transport, Verkehr, Gesundheit, Wasser, Ernährung, Finanz- und Versicherungswesen, Staat und Verwaltung sowie Medien.

Weiterführende Informationen

Überblick über größere Sabotagefälle seit 2022
Debatte über das Kritis-Dachgesetz – Schutz der Infrastruktur
Diese Nachricht wurde am 05.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.